Homecomputer

Geschrieben von Sebastian am 30. Juli 2008

Sinclair ZX 81

Der Sinclair war einfach faszinierend für mich. Nicht nur, dass er etwas anderes, als Tom und Jerry auf den Fernseher projizierte, nein man konnte Ihm in kleinen Schritten genau sagen, was er machen sollte. Nunja, solange das Basicprogramm nicht die 1024 Byte (= 1 KB!!!) Hauptspeicher sprengten. Eigentlich war der ZX81 nicht viel mehr, als ein komplizierter Taschenrechner. Dennoch war das Handbuch wie ein BASIC-Kurs geschrieben und die begrenzte Anzahl an Befehlen und der kleine Hauptspeicher waren ideal für große und kleine Anfänger – also meinem Vater und mir. Schnell wuchsen so die ersten BASIC-Programme, die jeder mal geschrieben hat:

10 PRINT “Hallo!”
20 GOTO 10

Dann folgten etwas kompliziertere, wie “An welche Zahl denke ich?” “10″ “Meine Zahl höher/niedriger” etc.

Das überzeugenste Argument war jedoch der Preis des ZX81, da meine Eltern zu dem Zeitpunkt noch studierten. 398 DM kostete die fertige Version, während man ab 298 DM bereits einen Bausatz bekam. Ja richtig: Eine Tüte voll Widerstände, Kondensatoren und ICs, die erst auf eine Platine gelötet werden mussten. Mein Vater verbrachte also ein paar Abende damit, die “Dinger” auf die “Platte” zu löten und mir dabei zu erklären, dass es sich um “Widerstände” und eine “Platine” handelt – ich durfte sogar selber löten, klasse. Da wir keine Speichererweiterung hatten, blieb es bei den selbst geschriebenen Sachen und das zum Kit gekaufte Sinclair 1K Chess, mit dem mein Vater mir Schach beibrachte, damit wir das zusammen auf dem Brett spielen konnten, denn der Sinclair war nicht der beste Gegner. Wie dem auch sei, der Kleine ebnete den Weg zu all den Nachfolgern und hat daher einen besonderen Platz in meiner Vitrine.

Links für Interessierte:

Der ZX81 im 8-Bit-Nirvana, Eine ZX81 Fanseite inklusive Java-Emulator

Commodore 610

Um zu erklären, wie wir zu einem CBM 610 gekommen sind, muss ich ein wenig aus der Geschichte von Commodore erzählen, dann wird die Anschaffung des C16 auch etwas klarer. Computer haben zu der Zeit einfach unglaublich viel Geld gekostet. Der C64 hat zu diesem Zeitpunkt noch 1000 DM gekostet und war völlig nackt, also ohne Zubehör wie Joystick, Diskettenlaufwerk, etc. Wollte man das alles auch noch haben, war man schnell 2000 DM los. Da wir wirklich nicht viel Geld hatten, kam uns ein Umstand recht gelegen: Comodore machte einige Fehler zu der Zeit und musst diese Rechner verramschen. Da sie in Braunschweig hergestellt wurden, überschwemmten Sie hier den lokalen Elektronikhändler Völkner, der die 610er einfach nur loswerden wollte. Ich erinnere mich nicht ganz genau, was mein Vater für den CBM 610 bezahlt hatte, aber es war lächerlich. Die Werte des Monsters waren durchaus sehenswert, aber leider war er, da er aus der Buiseness-Reihe kam nicht zu den Homecomputern kompatibel und hatte auch keine Schnittstellen, die Spiele erlaubten, also musste ich mir diese wieder selber programmieren.

Nach der Anschaffung des C16 wurde der CBM 610 für mich uninteressant, da er nicht kompatibel war und wanderte in den Keller. Einige Jahre später sollte er noch einmal wieder ans Tageslicht kommen und als modifizierter Amiga 500 wiedererwachen. Wir brauchten ein Gehäuse, um unseren Einzelteile-Amiga unterzubringen…

Links für Interessierte:

Der CBM 610 im 8-Bit-Nirvana

Commodore 16

Eines Tages nahm mich mein Vater mit zu Horten, die seit einiger Zeit eine feste Fachabteilung für Computer hatten, in der ich viel Zeit nach der Schule verbrachte, um auf dem dort vorhandenen und für uns immer noch viel zu teuren C64 Programme zu schreiben und teilweise auch die Beratungen zu machen. Doch was sollte ich mit meinem Vater hier? Er hatte mal wieder einen guten Tipp bekommen, dass Commodore die unerfolgreiche C286-Reihe verramscht. Tatsächlich ein C16-Set mit Datasette, BASIC-Kurs und Joystick für sage und schreibe 129 DM (zwei Wochen später 99 DM). Das Kistchen wanderte zusammen mit Kingsofts “Ghost Town” und Blagger, sowie Minipedes Datasetten in unseren Einkaufswagen. Ich war überglücklich…

Als ich endlich die Vitrine für den “ganzen Kram”, wie meine Frau liebevoll die Sammlung nennt bei E-Bay ersteigert hatte, war ich natürlich neugierig, ob das ganze noch funktioniert. Leider fehlt mir die Datasette 1531 (muss ich bei EBay mal schauen), bei der man 5 bis 15 Minuten auf das Spiel warten musste: “Press play on tape”. Da aber die 1541 II vom CeVi auch am C16 funktioniert stellte sich nur die Frage, wie bekomme ich die Spiele von Früher und wie kriege ich die auf die Floppys. Wer nun denkt, man braucht ein 5,25 Zoll PC-Laufwerk liegt falsch. Schönerweise sitzt in den Commodore-Floppys ein Controller, der eigentlich ein vollwertiger Computer mit eigenem Betriebsystem ist. Dieser kommuniziert über eine serielle Schnittstelle mit dem eigentlichen Rechner. Mit einem selbst gebasteltem Kabel und der richtigen Anwendung (StarCommander) ist es möglich, die 1541 direkt an den PC anzuschließen (solange dieser noch über einen Parallelport verfügt). Von dort aus lässt sich mit dem StarCommander die eingelegte Diskette mit .prg-Dateien füttern. So kam ich also zu einer Runde Minipedes, Guzzler und Ghost Town auf meinem 42” Aquos. Einfach klasse! Wer im Übrigen Ghost Town auch so klasse findet wie ich, wird sich über die Tatsache freuen, dass mit Ghost Town DX eine PC-Umsetzung von einem Fan geschaffen wurde.

Links für Interessierte:

Der Commodore 16 im 8-Bit-Nirvana, Link zum StarCommander, Link zum Transferkabel (XM1541), Ghost Town DX bei Klamm.de

Commodore Amiga 500

Mein Lieblingscomputer, der Name Amiga ist hier nicht falsch gewählt. Zudem hat dieser Computer dafür gesorgt, dass ich und Henner uns kennengelernt und sofort verstanden haben. Ausserdem sorgte er einige Jahre lang für schlaflose Nächte. Nicht weil er mich nervte, sonder wegen der Zockersessions bei Henner oder Andy. Spiele wie Bomberman oder Lotus Esprit Turbo Challange machten uns das Schlafen schwer. Meinen ersten Amiga 500 bekam ich relativ schnell nach dem C16, aber leider nur in Form einer Platine. Mein Vater hatte wieder eines dieser Schnäppchen von Völkner mitgebracht. Nur das Mainboard des Amigas nützte aber nicht viel. Wie bekommt man den nun zum Laufen? Mein Vater schnappte sich das Netzteil aus dem CBM 610 und schloss es am Amiga an. Tadaa, über den monochromen Ausgang konnten wir zum ersten Mal ein Bild der Hand mit Diskette sehen, die einen dazu auffordert, die Workbench 1.2 einzulegen.

Nun fehlte aber noch alles andere – ein Diskettenlaufwerk, Tastatur, HF-Modulator, Netzteil, Gehäuse, etc. Nach und nach bestellte mein Vater diese Teile als Ersatzteile und der Amiga näherte sich langsam der Funktionalität. Statt über 1000 DM dafür zu bezahlen, kamen wir mit 600 DM aus und hatten zwar einen merkwürdig aussehenden, aber funktionierenden Amiga 500. Der Amiga verschwand komplett mit Netzteil im Gehäuse des CBM 610, während Tastatur und Diskettenlaufwerk oben drauf lagen. Das sah zwar nicht schön aus, funktionierte aber. Er bekam noch eine 512kb Speichererweiterung und ein zweites Diskettenlaufwerk, bevor er etwa 1989 aus nicht ersichtlichen Gründen den Geist aufgab.

Nun war es an der Zeit, einen werksneuen Amiga 500 zu kaufen. Diesmal ein Modell mit Kickstart 1.3 und den umgedrehten Power und Disklampen. Dies ist der Amiga, der immer noch in meiner Vitrine steht. Etwa 1991 begann der Aufrüstwahn beim Amiga. Da durch die rasanten Entwicklungen beim PC die Anforderungen an den Computer immer weiter stiegen, folgten zu jedem Geburtstag und zu Weihnachten weitere Aufrüstungen am Amiga. Zunächst eine interne 1,8 MB Erweiterung, dann Kickstart 2.04 und eine externe Festplatte von alpha power mit 512 MB und eine externe Speichererweiterung mit weiteren 2 MB. Anschließend mussten wir einen neuen Computertisch kaufen, da der Amiga mit jeder Erweiterung 5 bis 10 cm breiter wurde. Etwa 1994 bekam ich mein erstes Modem geschenkt, was meine Eltern später bereuen sollten, denn künftig kam die Telefonrechnung im Karton.

Mit 2400 Baud raste mein Amiga durch das Netz. Internet gab es zu dem Zeitpunkt noch nicht; man musste über sogenannte Mailboxen oder BBS kommunizieren. Ähnlich wie BTX, waren es eigentlich große Foren, die man mit dem Modem direkt anrufen musste. In einem Netzwerk (AmiNet / Fidonet) zusammengeschaltet, synchronisierten sich die Mailboxen nachts untereinander. Mit 2400 Baud dauerte das Herunterladen einer Diskette (880kb) etwa eine Stunde, das entspricht einer Geschwindigkeit von max. 0,3 kb / Sekunde und solange war die Telefonleitung besetzt. Zwei Jahre Später wurde das 2400er durch ein 9600er Modem ersetzt und der erste Kontakt mit dem Internet wurde gemacht. Damals noch völlig ohne Bilder und den Mailboxen mangels Seiten noch unterlegen, lief das schon ganz gut. Einzig die Tatsache, dass die Programme, die dafür nötig waren 4 MB Hauptspeicher fraßen, war nicht so schön. Aus dieser Zeit stammt im Übrigen auch die Bielefeld-Verschwörung… Dementsprechend bin ich bis 1996 bei den Mailboxen geblieben und war relativ aktiv in der Pinkybox und im Hannover BBS, bevor der Wechsel zum PC kam. Schweren Herzens trennte ich mich 1995 von meinem Amiga und schwenkte um auf den 486 DX4 133 Marke Eigenbau, hielt den Amiga aber weiterhin in Ehren – bis heute.

Commodore 64

Warum steht der CeVi hinter dem Amiga 500? Nun, ich hatte nie einen zu meiner Jugendzeit – zunächst zu teuer, kam nach dem C16 gleich Der erste Amiga. Erst im Alter von 19 Jahren konnte ich relativ günstig (50 DM) an einen C64 II mit Floppy 1541 II rankommen und alles nachholen, was ich seinerzeit verpasst hatte. Letztlich war dieser Kauf der Beginn des Computermuseums, wie es heute bei mir im Arbeitszimmer existiert. Beim Kauf waren dabei ein Monitor 1084, wie er normalerweise am Amiga hängt und über 100 Disketten mit den größten Spieleklassikern, die leider bei einem Umzug verlorengegangen sind. Versucht mal heutzutage 5,25 Zoll SD Disketten zu bekommen *grrr*. Ich habe es tatsächlich geschafft, bei EBay für einen Euro sage und schreibe über 180 C64-Disketten zu ersteigern. Nun steht einem Retro-Wochenende nichts mehr im Wege!