Handys und Organizer

Geschrieben von Sebastian am 30. Juli 2008

Scall

Mein erster Einstieg in den kommerziellen Mobilfunk fand mit einem Scall von Motorola statt. Das Interesse begann eigentlich mit einem Stadbo Amateurfunkgerät, das mir mein Vater zum Geburtstag schenkte, nur konnte man so nicht mit den Freunden in Kontakt bleiben, solange sie nicht ebenfalls ein Funkgerät hatten. Bei Karstadt sah ich dann irgendwann dieses Schmuckstück und dachte mir, dass das eine nette Idee sei. Mit 89 DM war das Ganze auch nicht zu teuer und wanderte in meine Einkaufstasche und ich war mein Erspartes los. Mit dem Scall konnte man zu dem Zeitpunkt numerische Nachrichten empfangen, die der Versender über den Anruf bei einer Hotline absezten konnte. Da das Übermitteln einer Telefonnummer und das Zurückrufen von einer Telefonzelle zu umständlich war, dachten wir uns Codes aus. Jeder Freund hatte eine zweistellige Nummer und versendete die zusammen mit einer weiteren Nummer, die einer Botschaft entsprach. Beispiel: 10 war “ich komme 10 Minuten später” oder 05 war “Komm nach Hause”.

Quix

Quix war die logische Weiterentwicklung zum Scall, denn mit Quix war es möglich alphanumerische Nachrichten, ähnlich den heutigen SMS, zu verschicken. Gleichzeitig bot Quix noch eine Reihe von Nachrichtendiensten, die über lokale Veranstaltungen, Kinotipps und andere Dinge informierte. Leider war das Versenden einer Nachricht mit Quix sehr teuer (0190-Hotline), so dass nicht viele davon Gebrauch machten. Dennoch waren diese Dinger überall und störten nicht selten den Unterricht, wenn man vergessen hatte, das Quix auf Lautlos oder Vibration zu schalten.

Motorola Surf

Anno 1996 passierte es, der Mobilfunkbetreiber E-Plus brachte Tarife auf den Markt, den man sich leisten konnte. Gerade regelmäßig eigenes Geld verdienend, beschlossen mein Kumpel Andi und ich mal im neuen E-Plus-Shop in Hannovers City vorbeizuschauen und siehe da: es gab einen Tarif, der für uns beide erschwinglich war. Ein paar Stunden später waren wir jeder um ein Motorola Surf und eine mit 50 DM vorgeladene Karte reicher. Da die Bonitätsprüfung seinerzeit nicht so schnell lief, wie heutzutage, bekam man zunächst eine voraktivierte Vertrags-Karte mit Prepaid-Guthaben, das man gleich vertelefonieren konnte und nach Freischaltung lief es, wie man das heute gewohnt ist. Allerdings konnte das damals locker eine Woche dauern. Das Motorola Surf war gemessen an heutigen Maßstäben höchst spartanisch ausgestattet. Telefonierte man nicht, hielt es 18 Stunden im Standby durch, was bedeutete dass man abends nur mit Müh’ und Not die rettende Steckdose erreichen konnte. Es fraß noch die großen Chipkarten, die wie Telefonkarten aussahen und besaß noch einen Schieber an der Seite, um diese bei Bedarf auszuwerfen. “Premiumdienste” wie SMS suchte man hier vergeblich – Tatsächlich erfuhr ich erst davon, als ich mir das Nokia PT-11 wegen des größeren 4-zeiligen Displays gekauft hatte.

Nokia PT-11

Was für ein Knochen! Etwa ein Jahr nach dem Motorola Surf, kaufte ich mir diesen Prügel in einem Gebrauchthandy-Laden. Glücklicherweise gab es einen Hochleistungsakku zum Handy, mit dem man auch mal über Nacht auskam, so dass man nicht rätseln musste, ob das Nokia bis zum Abend durchhalten würde. Ansonsten bot das PT-11 alles, was das Herz begehrt. Neben dem riesigen Display, das größer ist, als manche Exemplare, die man heute antrifft, gab es auch die Möglichkeit SMS zu verschicken, was damals absolut neu und sehr teuer war. Gegen Ende der Vertragslaufzeit begleitete mich das PT-11 auch noch zum Bund, war aber eher lästig, da die riesigen NiCd-Akkus bereits einen Memoryeffekt besaßen und nicht mehr die volle Kapazität hatten, was eine Steckdose in der Nähe unumgänglich machte. Ich war sehr froh, als mein Vertrag auslief und ich ein neues Handy gestellt bekam.

Siemens S10

Hier wollte ich nicht den Fehler machen und einmal das günstigste nehmen, daher bestellte ich für 199 DM das Siemens S10. Was für ein Handy. Mit dem 4-Farb-Display war das S10 seiner Zeit weit vorraus und hatte sogar Spiele mit an Bord. Neben der Möglichkeit bestimmten Anrufern bestimmte Klingeltöne zuzuweisen, hatte das S10 eine klasse Form. Lang und schmal – genau richtig für meine Prankenhände. Dieses Handy begleitete mich allerdings auch nur knapp eineinhalb Jahre, bis E-Plus beschlossen hatte, die SMS-Preise von 29 auf 39 Pfennig anzuheben und so eine Möglichkeit bot, den Vertrag ausserordentlich zu kündigen. Mir kam das sehr gelegen, denn das S10 war einfach zu groß für die Hosentasche und genau das war es, was die Handyindustrie derzeit erreichen wollte: Kleine Handys, die besser zu transportieren sind. Also bekam meine Mutter das S10, welches Sie leider ein halbes Jahr später in der Bahn liegen ließ.

Motorola V3690

Kaum hatte ich den E-Plus-Vertrag gekündigt, sah ich mich nach einem anderen Handy um und wurde auf der CeBIT 99 fündig. Motorola brachte mit dem V3690 etwas auf den Markt, das noch nicht dagewesen ist. Mit nur 82g und Abmessungen von 80 mm x 39 mm x 25 mm, ist es das kleinste Handy der Welt gewesen. Die Daten sprachen für sich: 3 Stunden Gesprächszeit, 160 Stunden Standby, Vibrationsalarm, etc. Genau das, was ich suchte. Nur der Preis hatte es in sich: 1200 DM – gut, dass T-Mobile dieses mit Simlock für 199 DM verkaufte. Also zu Karstadt und einen Vertrag abgeschlossen. Wie das bei mir allerdings so ist, kamen hinterher die Tücken zum Vorschein. Die Software des V3690 war nicht mehr zeitgemäß, denn beispielsweise bei emfangenen SMS wurde nicht der Name aus dem Adressbuch, sondern die Telefonnummer des Absenders angezeigt oder die Tasten lagen so eng, dass das tippen einer SMS nach dem 50sten Zeichen einen Daumenkrampf verursachte. Dennoch begleitete mich dieses Handy etwas mehr als ein Jahr, denn die Größe war unschlagbar.

Siemens C35

Oha, das C35. Da ich noch das S10 im Hinterkopf hatte, dachte ich mir, dass das C35 eine nette erschwingliche Alternative zum V3690 sei. Ich verkaufte das V3690 (das nur einen Betreiberlock hatte) für 250 DM mit einer X-Tra-Karte und legte mir ein C35 zu. Das C35 war ein grundsolides Handy für den breiten Massenmarkt und hielt bei mir auch nur das halbe Jahr, bis meine Vertragsverlängerung kam. Dennoch konnte man mit dem C35 schon eine Menge machen, denn Siemens lieferte extra ein Datenkabel als Zubehör aus. Zwar war es sehr teuer, aber anschließend konnte man Logos und Klingeltöne raufladen, ohne dass man teure SMS-Dienste in Anspruch nehmen musste, die sowieso meist Nokiahandys vorbehalten waren.

Siemens S45

Mein persönlicher Favorit und das erste und einzige Handy, das bei mir die vollen zwei Jahre durchgehalten hat. Das S45 war ein Wunderwerk! Anders als es bei Nokia üblich erscheint, hatte Siemens die Strategie die Funktionen und die Firmware eines Handys zu Ende zu entwickeln, bevor man es auf den Markt schmeißt. So kam es, dass das S45 noch ein schwarz/weiß Display hatte und nicht, wie viele andere eins in Farbe und keinen Kartenleser / Realtöne oder Ähnliches. Das S45 war ein rundum gutes Handy, ohne große Fehler und im Gegensatz zur Konkurrenz konnte man auch hier ein Datenkabel anschließen, dass nicht nur zu vorhergehenden Siemenshandys kompatibel war, sondern auch mit den Siemens Gigaset Festnetztelefonen funktionierte. Endlich brauchte man kein spezielles Kabel für jedes Handy mehr, sondern es reichte eines. Da die Organizerfunktionen des S45 aber etwas schwach waren, sah ich mich nach einer anderen Möglichkeit um und fand den Palm M100.

Palm M100

Gekauft hatte ich den M100 als Ergänzung zu meinem S45, dessen Organizer etwas hakelig war. Man, was eine Rechenpower. Mit dem 33 MHz Dragonball Prozessor konnte man schon einiges machen. So ließ sich problemlos ein Gameboy auf dem kleinen Emulieren und E-Books waren auch kein Problem. Nebenher konnte man Webseiten herunterladen und offline lesen und den Kalender mit Outlook synchronisieren. Es gab eine Fernsehzeitschrift dafür und man konnte sogar im Internet surfen (naja sehr begrenzt durch den monochromen Bildschirm), wenn man das S45 über Infrarot an den Palm “stöpselte”. Die beiden ergänzten sich im Übrigen prima und nach Ablauf des Vertrages überlegte ich, was ich nun tun sollte. Mich störte es etwas, dass ich nun zwei Geräte mit mir herumschleppen muss, aber auf die neuen Funktionen des M100 wollte ich nun auch nicht verzichten. Also musste eine Symbiose her.

Nokia 3650

So kam ich zum Nokia 3650. Das erste Series 60 Handy nach dem 7650, das Nokia auf den Markt brachte, polarisierte. Nicht nur, weil es alle wichtigen Organizerfunktionen unterstützte, sondern auch wegen des Designs. Die Tasten des 3650 waren im Kreis angeordnet, wie man es von einem Wählscheibentelefon her kennt. Das machte insbesondere SMS-Tippen schwierig bis unmöglich. Aber das Betriebsystem des Handys machte das Ganze wieder wett. Nicht nur, dass die Organizerfunktionen mit Outlook syncronisierbar waren, nein, man konnte das 3650 mit Anwendungen erweiteren, die auf dem Telefon nativ, also ohne Java-Interpreter liefen. Und was für Anwendungen! Von 3D-Spielen über Emulatoren bis hin zu Officeapplikationen wie Excel oder Word. Klasse. Nur Leider war das Handy zu groß, zu dick und zu schwer.

Yakumo Delta

Die Bedienungsschwierigkeiten des 3650 und ein Besuch der CeBIT brachten mich dazu, mal über einen der schicken PocketPCs nachzudenken. Da Yakumo zu diesem Zeitpunkt den ersten kostengünstigen PPC rausbrachte, wurde die Entscheidung immer schwerer. Letztlich überzeugte mich der Delta, auch wenn man dort keine CF-Karten verwenden konnte, sondern nur SD. Naja, das Display war klasse, die Akkulaufzeit phänomenal und das Gewicht der Hammer. Auf dem 3,5 Zoll Display des Delta wurde Windows PocketPC 2002 angezeigt. Dieses Miniwindows brachte den Look and Feel von XP auf die Handfläche. Nicht nur den Look and Feel sondern auch eine Menge Programme, wie man sie sonst nur vom richtigen PC kennt. Outlook genauso, wie Word, Excel oder den Adobe Acrobat Reader. So wurde die M100 Idee wieder aufgegriffen und ich rannte wieder mit zwei Geräten durch die Gegend.

Toshiba e740

Mittlerweile hatte ich die Ausbildung abgeschlossen und arbeitete schon als Admin bei der Stadt. Damals relativ aktiv im Forum von pocketpc-community traf ich auf einen, der für den USB-Host des Casio E200 Treiber programmierte. Vom Massenspeicher bis zur Tastatur/Maus war alles dabei. Zu diesem Zeitpunkt brachte Toshiba den e740 auf den Markt und ich bearbeitete meinen Chef, dass das eine Sinnvolle Anschaffung für uns sei. Nicht nur, dass der e740 einer der am weitesten entwickelten PPCs zu dieser Zeit war, sondern er verfügte auch über eine USB-Hosterweiterung mit VGA-Ausgang und Pocket Powerpoint. Es war also möglich das Gerät an den Beamer anzuschließen und Präsentationen an die Wand zu werfen. Gleichzeitig war ich dabei eine Inventardatenbank für die PCs zu schaffen, bei der der USB-Host ins Spiel kam. Über einen angeschlossenen Barcodescanner konnte man auf die Art im Feld Geräte erfassen und Daten dazu verändern und beim Synchronisieren, war die Datenbank wieder auf dem neuesten Stand. Leider schaffte es diese Anwendung nicht aus dem Entwicklungsstadium, da das Interesse meiner Kollegen an diesem Thema nicht allzu groß war und ich dann die Lust verlohr für den Papierkorb zu arbeiten.

T-Mobile MDA (HTC Wallaby)

Wieder lief ein T-Mobile Vertrag aus und ich musste mir wieder überlegen, was ich gerne hätte: Handy und Organizer oder ein Smartphone. Dann kam mir die Erleuchtung – ein PocketPC mit Telefonfunktion. Ich hatte sowas auf der Messe gesehen. Also bei der Telekom angerufen und mal nachgefragt, ob es sowas gibt. Bingo, der MDA. Das Teil bestellt und ein paar Tage später hatte ich ihn vor mir. Im Gegensatz zum e740 war der MDA mehr ein Rückschritt, da er nur über einen 206 MHz ARM-Prozessor verfügte, der e740 schon einen 400 MHz XScale von Intel. Das fiel aber nicht weiter ins Gewicht, denn die Vorteile des XScale Prozessors kamen erst unter Windows Mobile 2003 zum Tragen, was der e740 aber nicht hatte. Der MDA allerdings bekam ein 2003er Update von T-Mobile, was ihn letztendlich sogar schneller machte, als den e740. Und man konnte damit Telefonieren und im Netz surfen und überhaupt eigentlich alles. Wären da nicht diese ekligen Bugs gewesen, wär der MDA ein tolles Gerät. Gelegentlich hatte der MDA die Macke die SD-Karte einfach zu löschen. Dies konnte man umgehen, wenn man den Desktop(Heute)-Hintergrund nicht änderte, sondern auf Standart ließ. Probleme wie in frühesten DOS-Zeiten mit verwirrenden Lösungen. Dennoch habe ich mit dem MDA zwei Jahre durchgehalten und war letztendlich von den PocketPC mit Telefonfunktion überzeugt. So kam es, dass ich einen MDA Vario als Upgrade nahm.

T-Mobile MDA Vario (HTC Wizard)

Kaum hielt ich meinen Vario in der Hand, hatte ich mich auch schon verliebt… Über 500 MHz und eine ausziehbare Tastatur machten den kleinen zu einem Allround-Talent, mit dem man wirklich alles machen konnte. Einzig das installierte Windows Mobile 5 wollte nicht so recht überzeugen. Ich hatte mich zwar schon daran gewöhnt, dass man einen PPC genauso, wie einen PC bediehnt, dennoch ist die Arbeit mit einem Windows Mobile immer noch etwas hakelig. Da es allerdings noch keine Alternative am Markt gab (außer dem angekündigten Apple iPhone (erste Generation), das weit über 1000 € kostete). Mit dem stärkeren Prozessor hatte der Vario allerdings gegenüber dem alten MDA einiges vorraus. Zusätzlich speicherte der Vario die Daten nicht mehr im RAM, sondern im Flashrom, was einen Datenverlust bei leerem Akku endlich eliminierte. Ein paar Hickups gab es trotzdem: Schob man die Tastatur auf, wurde der Bildschirm gedreht. Dies geschah über einen Magnet-Sensor, der am Ende der Tastatur angebracht war. Gut, dass T-Mobile das Gerät mit einer Tasche auslieferte, die auch einen Magnetverschluss besaß. Jedes Mal, wenn man den Vario aus der Tasche zog, weil jemand angerufen hat, drehte sich der Bildschirm *grrrr* Gut, dass sich im Dienst der Wunsch nach einem Diensthandy breit machte…

Nokia N73

Hier gibt es nicht viel zu sagen… Ein Serie 60 Handy, wie auch schon das Nokia 3650. Erstaunlicher Weise hat sich seit dem an der Software nicht viel getan. Hardwaretechnisch hat das N73 einen Mini-SD-Slot, Radio, 2 Megapixel Kamera und UMTS, ansonsten nix weltbewegendes. Als Diensthandy reicht das Ganze, nur als Administrator möchte man dann doch ganz gerne mal die eine oder andere PDF lesen oder E-Mail checken und auf dem kleinen Display des Nokias war dies nur mit einer Lupe möglich… Immerhin konnte man die Daten mit dem PC synchronisieren – zumindest bis unsere neue IT-Sicherheitsrichtlinie den Betrieb von Smartphones untersagte und komplett auf Windows Mobile umgestiegen wurde.

Asus P535

Als herauskam, dass das Nokia N73 nicht in der Admin-Praxis einzusetzen ist, ging es an die Überlegung, was man als Erstatz beschaffen sollte. Es durfte nicht zu viel kosten und gleichzeitig sollten alle Wünsche der Kollegen berücksichtigt werden. Da bot sich das P535 von Asus an. Von der Größe her war es nicht viel Länger oder Dicker als das N73, nur halt ein wenig breiter. Mit einem knapp 700 MHz schnellen Prozessor sollte es ausreichende Power für einen Admin bieten und mit Schnickschnack, wie Präsentationsmodus (P535 als Bluetoothfernbedienung) genau das richtige… GPS und co auch an Bord, ging es ab in die Beschaffungsphase… Außer dem fehlenden UMTS gibt es auch wirklich nichts an diesem Gerät auszusetzten.

HTC Touch Diamond

Apple iPhone